Die RTL-Sendergruppe drohte 2003 ihren Standort von Köln in einen Vorort zu verlegen. Kurz vor Ablauf des RTL-Ultimatums bot die Stadt Köln das alte Messegelände an und war damit auch erfolgreich.

Auf dem Messegelände wird aktuell nach den Wünschen von RTL gebaut. RTL wird sodann dort Miete zahlen. Möglich wurde dieser Coup, weil eine Tochter der von der Stadt kontrollierten Stadtsparkasse Köln kurzfristig Grundstückeigentümerin des Messegeländes wurde.

Diese Tochter, die Laurenz KG – umfirmiert in „S RheinEstate GmbH“ –, ist ebenfalls Grundstücksbesitzerin des heutigen RTLGeländes, Aachener Strasse.

Da die Aufwendungen für den Neubau und die Folgekosten offensichtlich sehr hoch sind und die Refinanzierung offensichtlich nicht ausreicht, wurde ein „Geschäftsmodell“ – der besonderen Art entwickelt.

Zitat aus dem STEA-Protokoll vom 20.07.2004 von Bernd Streitberger (Beigeordneter Dezernat VI Stadtentwicklung, Planen, Bauen):

• „Die Bruttogeschossfläche wurde als Geschäftsgrundlage zwischen der Stadtsparkasse Köln und der Stadt Köln für die künftige Ausnutzung des Geländes zugrunde gelegt.“

Ratsmitglied Barbara Moritz (Die Grünen) beklagt in der STEA-Sitzung vom 02-12-2004 gem. Protokoll:

• „... darüber hinaus wurde weder die Aufgabenstellung noch der Auslobungstext vorab dem STEA mitgeteilt.“

Ratsmitglied Ralph Sterck (FDP) bklagt sich in derselben STEA-Sitzung vom 02-12-2004 gem. Protokoll:

• „...,dass die Politik von den Bürgerinnen und Bürgern in die Verantwortung genommen wurde, weil Vertreter der Fraktionen an der Jurysitzung teilgenommen haben, obwohl sie an der Aufgabenstellung mit der Festlegung zu Art und Maß der baulichen Nutzung nicht beteiligt wurde“

Dieses „Geschäftsmodell“ bringt nunmehr die Anwohner rund um das RTL-Gelände in Stellung, denn unter Missachtung gültiger Bebauungspläne, Missachtung des Eingemeindungsvertrages zwischen Lövenich und der Stadt Köln, Missachtung des „Gebots der Rücksichtnahme“, sowie nachhaltiger Bürgerwünsche, versucht der STEA - mit der Verwaltung im Hintergrund - 40 Meter Hochhäuser in den dörflichen Charakter der Stadtteile Müngersdorf und

Junkersdorf - mit überwiegend ein und zwei Familienhäusern - zu platzieren.

Von besonderem Beigeschmack ist das Procedere eines „Wettbewerbs“ bei „freier Entscheidung“ durch die Politik:

• Es wurde ein „städtebaulicher Wettbewerb“ ausgeschrieben, an dem 5 Architekturbüros teilgenommen haben. Diese so genannte Mehrfachausschreibung als Wettbewerb wurde aber nicht durch die Stadt und mit der Maßgabe das optimale Architektur-

Objekt zu kreieren durchgeführt, sondern durch den Grundstückseigentümer und Investor. Dieser wiederum bestimmte die Bruttogeschoßfläche und die Bauhöhe, unter Missachtung gültiger Bebauungsvorschriften.

• Nur unter strikter Einhaltung dieser Restriktionen konnten die Architekten sodann in die Endauswahl kommen. Den Wettbewerbsgewinner ermittelte das so genannte „Colloquium“. Dieses Entscheider-Gremium, bestehend aus Politikern aller Parteien, hatte sodann die Aufgabe einen Gewinner aus den vom Investor bestimmten Eckwerten zu ermitteln.

• Gewinner war das Architekten-Unternehmen Ortner & Ortner Baukunst aus Wien, das zwischenzeitlich noch schnell ein Büro in Köln eröffnet hat ...

Der Entwurf: 6 Hochhaus-Triangeln, 50 Meter Höhe, 80.000 qm Neubebauung, zuzüglich Altbestand.

 

Nachdem sich eine große Zahl der unmittelbaren Nachbarn formiert hatte und es diverse Aktivitäten gab, kam es am 29-11- 2005 zu einer Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt Köln, an der rund 500 Anwohner sehr aktiv und sehr kritisch hinterfragend teilnahmen. Die Veranstaltung endete in einem Desaster für den vortragenden Architekten und hatte zur Konsequenz, dass der Triangelentwurf mit 50 Meter Bauhöhe zwischenzeitlich verworfen wurde.

Ende Januar 2007 sickert durch, dass es einen neuen Entwurf (Plan B) gibt. Dieser Plan B wurde am 08-02-07 im STEA vorgestellt.

Die Bruttogeschossfläche (=BGF) wurde um 20% auf 62.600 qm + 9.000 qm Altbestand und auf 39 Meter Höhe reduziert.

STEA-Vorsitzender Karl Klipper (CDU) bat sodann die Parteien um eine Stellungnahme: Die SPD sagte nichts, die CDU sprach sich dagegen aus, die FDP und hier Herr Ralph Sterck äußerte sich indifferent und Frau Barbara Moritz (Die Grünen) betonte, dass sie schon jetzt (also vor dem Ergebnis weiterer Anhörung der BV und der Bürger) ihre Zustimmung geben werde. Das Planungskonzeptwurde sodann zur Entscheidung an die BV weitergeleitet.

• Anmerkung: Entscheider in der Sache ist der STEA. Der STEA kann sich über alle anderen Empfehlungen und Meinungen hinwegsetzen. 5 von 10 STEA-Mitgliedern haben ein Amt bei der Sparkasse Köln-Bonn – wie Barbara Moritz (Die Grünen).

Am 08-03-2007 wurde das Thema in der BV beraten, nicht zur Kenntnis genommen und auf den 26-03-07 vertagt. Nach mehrerenEinzelgesprächen mit Politikern, einerPodiumsdiskussion mit der CDU, einem round table Gespräch mit allen Parteien und sicherlich vielen Diskussionen innerhalb der Parteien wurde der Plan B von der BV abgelehnt und es wurde ein Ersatzantrag

gestellt, mit der Kernaussage: 5 Geschosse maximal und maximal 40.000 qm

BGF und der Prämisse einer qualitativ anspruchsvollen,gemischten Bebauung.

Am 24-04-2007 wurde Plan B mit denStimmen der SPD und der Grünen im STEA angenommen, sodass die 2. Bürgerinfo eingeleitet werden musste.

(Auszug aus: Aufruf zur Beteiligung an der Bürgerinfo am 16. August 2007)